Am 16. Mai haben die IGBCE und die acht Unternehmen des Fortschrittsdialoges neu- und wiedergewählte Abgeordnete sowie VertreterInnen aus dem Kanzleramt, den Ministerien, von Verbänden und Betriebsräten in Berlin zu einem Austausch über die aktuelle Lage der industriellen Gesundheitswirtschaft in Deutschland geladen. Das Fokusthema war die aktuelle US-Zollpolitik und deren Auswirkung auf den Standort Deutschland.
Der Obmann und stellvertretende gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und neuer Schirmherr des Fortschrittsdialogs, Matthias Mieves, gab einen Überblick über die wirtschaftliche Relevanz der pharmazeutischen Industrie und die gesundheitspolitischen Herausforderungen. Im Anschluss daran präsentierte Dr. Claus Michelsen, Geschäftsführer Wirtschaft beim Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa), in einem kurzen Impuls Daten und Fakten zur aktuellen globalen wirtschaftspolitischen Lage mit Fokus auf den aktuellen Entwicklungen in den USA.
Die USA sind mit einem Exportanteil von rund 25 Prozent der wichtigste Absatzmarkt für die deutsche Pharmaindustrie. Gleichzeitig stammen etwa zwölf Prozent der für die Produktion benötigten Vorprodukte aus den Vereinigten Staaten. Neue US-Schutzzölle würden nicht nur die Lieferketten empfindlich stören, sondern auch Investitionen hemmen und die Versorgungssicherheit gefährden. Ein Handelskonflikt zwischen der EU und den USA hätte laut Michelsen „gravierende Konsequenzen für die Versorgung im Gesundheitswesen und die Beschäftigung in den Unternehmen“. Zudem würden in erster Linie die Menschen in den USA mit höheren Preisen zu kämpfen haben, da die Nachfrage nach den patentgeschützten und komplexen Arzneimitteln aus Deutschland nicht zurückgehen werde und diese Produkte auch nicht durch andere Präparate ersetzbar seien (siehe MacroScope des vfa). Trotz ihrer Robustheit im internationalen Vergleich steht die Branche unter Druck. Die erratische US-Handelspolitik sorgt für Unsicherheit, die sich negativ auf Investitionsentscheidungen auswirkt – ein Risiko, das besonders schwer wiegt, wenn man den Anspruch des Koalitionsvertrags betrachtet: „Wir werden Deutschland zum weltweit innovativsten Chemie-, Pharma- und Biotechnologiestandort machen.“
Die Teilnehmenden betonten in der anschließenden Diskussion daher die Notwendigkeit verlässlicher und innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen. Dazu gehören ein stabiler regulatorischer Rahmen und ein schneller Zugang zu medizinischen Innovationen. Nur so kann die Branche ihre Rolle als Wachstumsmotor und Garant für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung in Deutschland und Europa weiterhin erfüllen.
Von Seiten des Gesundheitsministeriums wurde der Spagat zwischen den Herausforderungen im Gesundheitsbereich auf der Ausgabenseite und der Wertschöpfung durch die stark durch Innovationen getriebene Gesundheitswirtschaft auf der anderen Seite thematisiert. Einig war man sich, dass es für die Diskussion von möglichen Lösungsoptionen und für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik eines robusten Dialogformates bedarf: einer Neuauflage des Pharmadialoges unter Einbindung des Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftsministeriums aber auch mit Anbindung an das Bundeskanzleramt.
